{"id":131,"date":"2020-11-26T23:24:05","date_gmt":"2020-11-26T23:24:05","guid":{"rendered":"http:\/\/antja.wenzel.eu.org\/?p=131"},"modified":"2020-11-26T23:31:37","modified_gmt":"2020-11-26T23:31:37","slug":"traueransprache-von-pfarrerin-ulrike-mey","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/antja.wenzel.eu.org\/?p=131","title":{"rendered":"Traueransprache von Pfarrerin Ulrike Mey"},"content":{"rendered":"<p>Frau Mey hat mir liebenswerterweise auch die Traueransprache zur Verf\u00fcgung gestellt:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<hr \/>\n<p>Liebe Familie Wenzel, liebe Familie Gille, liebe Trauergemeinde,<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen ihr Gesicht auf Bildern wie diesem hier betrachten, aber es bleiben Bilder. Im Haus erinnert noch so vieles an sie, aber sie selbst fehlt und in Ihren Erinnerungen ist sie noch ganz lebendig, aber es bleiben Erinnerungen an Vergangenes. Antja Wenzel ist tot. Anfang November ist sie gestorben, begleitet und gut betreut hat sie zuletzt den Tod annehmen k\u00f6nnen. Der Abschied war tr\u00f6stlich.<\/p>\n<p>Aber Trost ist auch n\u00f6tig. Denn sie h\u00e4tte gerne noch gelebt und sie ist zu jung gestorben. Die Trauer um sie ist jetzt gro\u00df und mag Ihnen wie ein langer und schwerer Weg vorkommen. Es ist, ihn gemeinsam zu gehen, denn es hilft, das Leben und den Abschied, die Erinnerungen und die Trauer miteinander zu teilen.<\/p>\n<p>Gerade am Anfang dieses Abschiedes kommen Erinnerungen fast wie von selbst auf. Sie tr\u00f6sten, weil wir dadurch einen Menschen gedanklich noch ein wenig mit in unsere Zeit hineinnehmen k\u00f6nnen. Darum lassen Sie uns an Antja Wenzel erinnern, an die Frau, so wie Sie sie kannten.<\/p>\n<p>1963 ist sie in G\u00f6ttingen geboren worden und dort als eine von zwei Kindern aufgewachsen. Arbeit, die Firma der Eltern und das Familienleben waren direkt miteinander verbunden und das brachte einen engen Zusammenhalt in der Familie mit sich, samt der Hunde und der Schafe. Hockey hat sie damals gerne gespielt und dann hat sie Optikerin gelernt. Sie hat geheiratet und mit ihrem ersten Ehemann das Sanit\u00e4tshaus aus dessen Familie geleitet \u2013 viele Jahre lang. Wassersport: Segeln und Wasserski waren ihre Hobbies und gereist ist sie auch damals schon gerne. Au\u00dferdem hatten sie einen gro\u00dfen\u00a0Garten, den sie mit Hingabe gepflegt hat.<\/p>\n<p>2000 ging die Ehe auseinander und sie begann sich im EDV-Bereich eine berufliche Selbst\u00e4ndigkeit aufzubauen. Ein paar Jahre sp\u00e4ter haben Sie sich dann \u00fcber Segelfreunde kennengelernt und eine neue Liebe ist zwischen ihnen entstanden und gewachsen. 2006 ist sie dann hierher nach Bad Vilbel zu Ihnen, Herr Wenzel, gezogen und Sie haben als Patchworkfamilie zusammengelebt \u2013 sicher nicht immer einfach f\u00fcr alle Beteiligten. Aber Sie haben es letztlich gut geschafft. Sie haben vor einigen Jahren hier in der Auferstehungskirche geheiratet und sich Ihr gemeinsames Leben aufgebaut. Sie hat weiterhin selbst\u00e4ndig im EDV-Bereich gearbeitet und sich hier in Bad Vilbel engagiert, unter anderem im Fl\u00fcchtlingshilfeverein und in unserem Gospeltrain hat sie ebenfalls seit mehreren Jahren mitgesungen.<\/p>\n<p>Unterbrochen waren die Vilbeler Jahre durch Ihren Aufenthalt in London und auch das war eine gute Zeit. Sie hat die Weltoffenheit Londons ausgekostet, Freundschaften geschlossen, sich kulinarisch durch die Welt gekocht und neues erlebt und mitgebracht. In den letzten Jahren hatten Sie dann auch mehr Zeit f\u00fcr- und miteinander. Sie sind viel gereist und Antja Wenzel hat dabei gerne fotografiert hat. Eine Reise hat sie auch mit dem Camper zusammen mit Ihnen, ihrer Mutter, gemacht und auch das war eine sch\u00f6ne und erf\u00fcllte Zeit. Sie haben sie als unternehmungslustig geschildert, weltoffen und immer Menschen zugewandt. Ihre positive und mitrei\u00dfende Art war hervorstechend und auch ihre uneingeschr\u00e4nkte Hilfsbereitschaft: Freunden, der Familie oder auch den Gefl\u00fcchteten gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>So h\u00e4tte es weitergehen k\u00f6nnen, so hatten Sie es sich erhofft, dass die Innigkeit, die Sie verbunden hat, noch lange dauern sollte. Im Fr\u00fchjahr aber kam die Diagnose, dass sie an Krebs erkrankt war. Es folgten +Operationen und Krankenhausaufenthalte, Reha und Behandlungen.\u00a0Bei all dem war sie selbst immer optimistisch \u2013 wie es ihrem Wesen entsprach. Aber ihr Zustand hat sich verschlimmert. Sie wurde schw\u00e4cher und zuletzt war sie in der Klinik in Gie\u00dfen, wo sie gut aufgehoben und Sie bei ihr sein konnten. Dort haben Sie den Abschied miteinander gestaltet und sie selbst hat den Tod zuletzt annehmen k\u00f6nnen. Es war, wie schon gesagt, ein guter Abschied \u2013 aber auch viel zu fr\u00fch.<\/p>\n<p>Was nun bleibt sind viele Erinnerungen und Erlebnisse miteinander: lange zur\u00fcckliegendes, vielleicht aus ihrer Kindheit und Jugend; aber auch k\u00fcrzlich erlebtes; Erinnerungen an besondere Ereignisse: Feiern oder Urlaube aber auch viel allt\u00e4gliches, wie ihre Hilfsbereitschaft, ihr fr\u00f6hliches Lachen, ihre mitrei\u00dfende Art \u2013 und noch vieles mehr. Solche Erinnerungen beschreiben einen Menschen meist am besten und ihre dr\u00fccken viel Liebe und Dankbarkeit aus. Das ist ein gutes Res\u00fcmee \u00fcber ein Leben.<\/p>\n<p>Es macht den Abschied jetzt aber schwer. Der Theologie Dietrich Bonhoeffer hat geschrieben: <em>&#8220;Je sch\u00f6ner und voller der Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der\u00a0Erinnerung in eine stille Freude. Man tr\u00e4gt das vergangene Sch\u00f6ne nicht wie ein Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.\u201c<\/em><br \/>\nIch glaube, das werden Sie k\u00f6nnen \u2013 im Laufe der Trauer &#8211; und das kann tr\u00f6sten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-135\" src=\"http:\/\/antja.wenzel.eu.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/GottHatSeinenEngeln.jpg\" alt=\"\" width=\"1036\" height=\"1364\" srcset=\"https:\/\/antja.wenzel.eu.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/GottHatSeinenEngeln.jpg 1036w, https:\/\/antja.wenzel.eu.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/GottHatSeinenEngeln-228x300.jpg 228w, https:\/\/antja.wenzel.eu.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/GottHatSeinenEngeln-768x1011.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 706px) 89vw, (max-width: 767px) 82vw, 740px\" \/><\/p>\n<p>Aber wir schauen heute nicht nur zur\u00fcck, sondern auch nach vorne und bei diesem Blick in die Zukunft, besch\u00e4ftigt uns die Frage, was nun ist \u2013 f\u00fcr Antja Wenzel. Sie m\u00fcssen sie gehen lassen und darum brauchen wir den Trost und Halt, dass sie begleitet und beh\u00fctet wird, jetzt nicht mehr von uns, sondern von Gott. Das dr\u00fcckt der Vers aus Psalm 91 aus, den Sie f\u00fcr ihre Beerdigung ausgew\u00e4hlt haben: <em>\u201eGott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich beh\u00fcten Tag und Nacht, wohin du auch gehst.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Es tut es gut zu hoffen, wohin Antja Wenzel gehen wird &#8211; jetzt, wo ihre Wege auf Erden beendet sind. Durch ihren Tod trennen sich unsere Wege und so ist der Tod f\u00fcr uns wie eine Schranke \u00fcber einem bis dahin gemeinsamen Weg. Wir m\u00fcssen daran stehen bleiben, aber bei Gott geht dieser Weg weiter. Da wird die Schranke \u00fcberwunden und Antja Wenzel geht ihren Weg weiter, mit Gott \u2013 vielleicht begleitet durch Engel, wie der Vers es hier ausdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Wie das sein oder aussehen mag, wissen wir nicht, weil es die Grenze unseres Verstandes sprengt. Engel ist eines unserer Bilder daf\u00fcr und es dr\u00fcckt unseren Glauben aus, dass Gottes Liebe und Kraft st\u00e4rker sind als der Tod. Wir glauben, dass Gott, der Sch\u00f6pfer, Leben auch nach unserem Tod erneut erschaffen kann. Jesus Christus war der erste, den Gott auferweckt hat. Das feiern wir an Ostern und damit hat Gott dem Tod die letzte Macht genommen. Das Leben wird siegen. Das ist unser Glaube. Und er gibt dem Gef\u00fchl recht, dass ein geliebter Mensch nicht einfach nur \u201enicht mehr da ist\u201c. Antja Wenzel ist nicht mehr hier bei uns, sondern bei Gott, begleitet von Engeln in ein neues und gutes Leben. Das ist, mit anderen Worten, unsere christliche<br \/>\nHoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben und damit geben wir Antja Wenzel traurig, aber auch getrost in Gottes Hand zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Pfarrerin Ulrike Mey, 19. November 2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frau Mey hat mir liebenswerterweise auch die Traueransprache zur Verf\u00fcgung gestellt:<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/antja.wenzel.eu.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/131"}],"collection":[{"href":"https:\/\/antja.wenzel.eu.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/antja.wenzel.eu.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antja.wenzel.eu.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antja.wenzel.eu.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=131"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/antja.wenzel.eu.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/131\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":137,"href":"https:\/\/antja.wenzel.eu.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/131\/revisions\/137"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/antja.wenzel.eu.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=131"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/antja.wenzel.eu.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=131"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/antja.wenzel.eu.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=131"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}